Kuckucksoma

Kuckucksoma – so wurde unsere Uroma von uns Kindern genannt. Sie hieß so, weil sie eine Kuckucksuhr besaß. Für uns kleine Kinder war der Kuckuck bei dieser Uhr immer das größte Event wenn meine Eltern zum Kaffee und Kuchen essen bei ihr waren. Und weil wir den Kuckuck in der Uhr so toll fanden, wurde sogar extra für uns die Uhr etwas vorgestellt, damit wir den Kuckuck gleich nochmal sehen konnten.

Aber nicht nur das verbinde ich mit meiner Uroma, auch an ihre riesige Legokiste erinnere ich mich noch. Zuhause besaßen wir so etwas nicht, vermutlich wären bei uns die ganzen kleinen Legoteile auch sehr schnell abhanden gekommen und im ganzen Haus verstreut gewesen. Aber bei Kuckucksoma, da waren sie immer schön ordentlich in einer Kiste. Am liebsten habe ich damals Trecker gebaut und meinen Geschwistern die Reifen geklaut.

Jedes Jahr beim Rummelpottlaufen war ihr Haus ein Pflichtbesuch, da spielte es überhaupt keine Rolle, dass sie ziemlich weit außerhalb des Dorfes lebte. Wir Kinder sangen dann immer extra laut, weil Oma Kuckuck mit ihrem Hörgerät ja nicht mehr ganz so gut hören konnte.

Bei meiner Uroma habe ich auch als ich älter war Rommé spielen gelernt. Nicht mit den Karten, sondern mit Spielsteinen. Erst hatte ich die Taktik mir die Spielsteine vorher anzusehen, bevor ich sie auf mein Brett nahm, was aber leider nicht ganz Regelkonform war.
Später, als ich älter war, liebte ich es, dass ganze Spielfeld umzugraben und so viele Steine so umzusetzen, bis ich meinen letzten Stein in einem letzten riesigen Spielzug loswerden konnte.
Kuckucksoma hatte so ihre Schwierigkeiten immer nachzuvollziehen, welchen Stein nun wo hingesetzt hatte. Nicht selten, musste ich aber auch alles wieder zurück basteln, nur weil ich den letzten fehlenden Stein nirgendswo fand.

Mit ihr zu spielen, hat mir damals auf jeden Fall richtig Spaß gemacht.

Dann kam der Schlaganfall. Das ist jetzt etwas mehr als 3,5 Jahre her.
Ich habe sie seit dem Schlaganfall nur ein mal direkt nach dem Unfall besucht. Das was ich da im Krankenhaus sah, war nicht mehr Kuckucksoma, so wie ich sie kannte. Es waren Bruchstücke von ihrem Geist und ein mitgenommen aussehender Körper. Sie erkannte mich nicht beim ersten Versuch, ein richtiges Gespräch mit ihr war nicht mehr möglich. Es war eine schrecklich bedrückende Atmosphäre.
Vielleicht habe ich mich deshalb nicht mehr zu ihr getraut…

In Erinnerung wird mir aber die Uroma bleiben, die ich nur mit Ach und Krach im Rommé schlagen konnte, die immer mit ihrem leicht plattdeutschen Akzent munter erzählte und für uns sogar ihre Kuckucksuhr vorstellte und mit uns in ihrem kleinen Gartenhäuschen Kuchen aß.

Als ich jetzt von ihrem Tod mitbekam, war das eher eine Zurkenntnisnahme als Trauer bei mir. Gefühlt ist Kuckucksoma vor 2,5 Jahren aus meinem Leben verschwunden, damals habe ich getrauert, heute trauere ich nicht mehr. Trotzdem werde ich mich morgen bei der Bestattung noch ein letztes mal von ihr verabschieden.

2 Gedanken zu „Kuckucksoma

  1. Auch wenn du nicht mehr trauerst, eine Beerdigung ist doch schon eine Situation, an die man so nicht gewöhnt ist und es ein rießen Kloß im Hals verursacht. Daher wünsche ich dir dafür sehr viel Kraft! :)

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