Ach, das wird bestimmt halb so wild.

Es ging darum, wer unser Projekt vorträgt – auf der Betriebsversammlung – vor den ganzen Leuten.
„Nääh, ich ganz bestimmt nicht!“
„Ich kann das auch nicht…“ „Hm, dann stellt halt niemand von uns dreien das Projekt vor, aber das ist auch doof.“ – Wieder einer dieser Momente, mit denen ich mit mir selber kämpfe. Opfere ich mich jetzt für das Projekt, oder lasse ich es bleiben. Auf einer Betriebsversammlung mit ~250 Besuchern vorzusprechen ist so gar nicht mein Ding. Aber wer macht so etwas schon gerne?handnotiz2011

Andererseits kann die Erfahrung nicht schaden. Ach, das wird bestimmt halb so wild. -> Jetzt folgt dieser kurze Moment in dem ich innerlich so viel Mut gesammelt habe, dass ich mich für diese Aktion zur Verfügung stelle. Nachdem ich realisiere wozu ich mich da eigentlich gemeldet habe, ist es schon zu spät.

Die nächsten Tage weiche ich dem Gedanken an die Präsentation aus. Irgendwie weiß ich auch gar nicht was ich da erzählen will. Wenigstens habe ich eine akzeptable PowerPoint-Präsentation auf die Reihe bekommen.

Am Tag vorher schreibe ich mir panisch noch einen Text zusammen, aus diesem Text schreibe ich mir Stichpunkte heraus und diese schreibe ich mir auf die Hand. Sicher ist sicher. Irgendwie ist es den Ausbildern und mir noch gelungen, meine beiden Teampartnerinnen zu überreden, mich mit auf die Bühne zu begleiten. Beide versichern mir aber mehr als einmal, dass sie kein Wort sagen, nicht mal ihren Namen.

Wir betreten den Kinosaal, ich habe inzwischen aufgehört mitzuzählen wie oft mir Personen gesagt haben, dass ich das schon schaffe und dass es halb so schlimm ist. So ziemlich jeder hat einen guten Rat für mich. Ich habe bereits Schwierigkeiten meine Stichpunkte im Kopf zu behalten, wie soll es da denn mit den ganzen Ratschlägen funktionieren. Ich bin ein wahrer Profi darin mich selbst unnötig unter Druck zu setzten.Es beginnt, meine Folie kommt irgendwann in der Mitte. Also muss ich solange nur ruhig auf dem Stuhl sitzen bleiben und warten – mal kurz umdrehen wie viele im Raum sind – Viele. 362 verschiedene Sitzpositionen später werde ich dann aufgerufen.
Mein ganzer Körper vibriert. Tunnelblick. Ich stelle mich ans Rednerpult, für die Notizhand ist es zu dunkel. Glücklicherweise habe ich auch einen Zettel mit Stichpunkten dabei. Das zittern wird immer wilder. Dann geht alles ziemlich schnell. All die tollen Worte die ich mir vorher ausgedacht habe sind weg, jedes einzelne. Ich kann mich nicht konzentrieren, so viele beobachten mich, aber ich habe gar keine Zeit sie anzuschauen. Alles was ich weiß sind die Stichpunkte auf meinen Zettel. Meine Schrift kann ich so schnell nicht ganz entziffern. In meinem Kopf geht es kreuz und quer. Ich beginne mit dem Erzählen. Nach einer etwas hakenden Einleitung werde ich dann auch noch vom PowerPoint-Wächter verwirrt (Er wollte mir sagen, dass ich die PPT Folie auf dem Notebook sehen kann und nicht auf die Leinwand schauen brauche, diese Information überfordert mich in diesem Moment total.)
Was ich dann gesagt habe weiß ich nicht mehr, irgendwie hangle ich mich gerade von Punkt zu Punkt, sortiert nach Lesbarkeit. Zwischendurch werfe ich ein, dass ich etwas nervös bin um Zeit zu gewinnen.
„Die gut aussehenden Mädels an meiner Seite und Ich“beginne ich den nächsten Satz – der ganze Raum jubelt, neben mir werden zwei Personen gerade sehr rot und ich kann einige Sekunden Luft holen.Ein paar Sätze später ist es dann auch schon vorbei, ich lasse mir von ein paar Ausbildern und anderen Personen ein „gut gemacht“ zuwerfen und eile zu meinen Platz, den Rest um mich herum nehme ich schon gar nicht mehr wahr.
Ich sinke in meinen Sitz.

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